06.02.2026 - Schwäbische Zeitung - Frederic Schenkel
Katastrophenschutztag bereitet auf Ernstfall vor
Wie verhalte ich mich, wenn der Ernstfall eintritt? Mit diesen Fragen haben sich Sechstklässler des Carl-Laemmle-Gymnasiums am diesjährigen Katastrophenschutztag befasst.
Ein Feuerwehrauto vor dem Haupteingang, ein Rettungswagen im Schulhof, ein Polizeiauto in der Nähe der Aula. Wer am Mittwochvormittag am Laupheimer Carl-Laemmle-Gymnasium (CLG) vorbeigekommen ist, dem könnte kurzzeitig der Schreck in die Glieder gefahren sein. Was ist hier denn passiert? Doch keine Sorge, es handelt sich lediglich um eine Übung. Denn bereits zum dritten Mal hat das CLG für mehr als 125 Schülerinnen und Schüler der sechsten Klasse den Katastrophenschutztag ausgerichtet. Über allem steht an diesem Vormittag eines: Die Zahl der Katastrophen in Deutschland hat zuletzt zugenommen – umso wichtiger ist es, im Ernstfall Bescheid zu wissen.
„Das Thema ist in den Medien präsent. Daher ist es sinnvoll, im Hinterkopf zu haben, was man im Katastrophenfall tun muss“, betont CLG-Lehrer und Sicherheitsbeauftragter Markus Erb, der den Aktionstag gemeinsam mit seiner Kollegin Sarah Hörger organisiert hat. Exemplarisch für die Aktualität des Katastrophenschutzes nennt Erb die Überschwemmungen im Ahrtal, den Krieg in der Ukraine sowie den Stromausfall in Berlin.
Seit 2024 ist daher vom Kultusministerium für alle weiterführenden Schulen einmal im Jahr ein solcher Aktionstag vorgeschrieben. Hiermit könnten Schülerinnen und Schüler „auf den Ernstfall vorbereitet und mit dem notwendigen Basiswissen darüber ausgestattet werden, was zum Beispiel bei Überflutungen, Sturm oder einem längeren Stromausfall zu tun ist“, teilt das Kultusministerium hierzu auf seiner Internetseite mit. Die individuelle Umsetzung liegt bei den Schulen.
Am CLG können die Schülerinnen und Schüler an diesem Tag an fünf Stationen Einblicke in den Alltag derer bekommen, die im Ernstfall tätig werden müssen. Der Arbeiter-Samariter-Bund (ASB), das Deutsche-Rote-Kreuz (DRK), die Polizei sowie die Flugplatzfeuerwehr der Bundeswehr sind involviert. Hier und da hätten persönliche Kontakte geholfen, die Organisationen für den Aktionstag am CLG gewinnen zu können, schildert Markus Erb und freut sich über die große Bereitschaft der Einsatzkräfte, Katastrophenschutz für Schüler anschaulich zu vermitteln.
So erläutert beispielsweise die Flugplatzfeuerwehr, was alles zur Ausstattung eines Feuerwehrautos gehört. Der ein oder andere Mutige hat es sogar bis in die Fahrerkabine geschafft und winkt den Mitschülern fröhlich zu, die gerade einen Feuerwehrschlauch genauer unter die Lupe nehmen. Andernorts hat der ASB mehrere Fahrzeuge geparkt, deren Ausstattung den Schülern erklärt wird. Wann kommt ein Blaulicht zum Einsatz? Wie funktioniert der Defibrillator? Wie sieht ein Rettungswagen von innen aus?
Ebenfalls ein Hingucker ist der Streifenwagen. Der Leiter des Laupheimer Polizeireviers, Polizeihauptkommissar Ulrich Sauter, öffnet den Kofferraum und erklärt anschaulich, worauf es im Ermittlungseinsatz zu achten gilt. Schutzkleidung ist wichtig – nicht, dass noch falsche Spuren an den Tatort gelangen.
Auch das Klassenzimmer wird zur Station – Prävention steht im Fokus. Manfred Rommel, DRK-Kreisausbildungsleiter und Koordinator für Schul- und Jugendarbeit, erklärt den Schülern, wann von einer Katastrophe gesprochen wird und wann nicht. Seit mehr als zehn Jahren kümmert sich Rommel um die Arbeit mit jungen Menschen, besucht rund 40 Schulen im Jahr. Seine Frage an die Schüler: „Wo könnte im Ernstfall eine Notunterkunft sein?“ Ja, auch die Schule sei hier eine Option, ebenso die Turnhalle. Schnell wird den Schülern klar: Wenn wirklich der Ernstfall eintritt, braucht es Betten in den Notunterkünften. In Gruppenarbeit versuchen sie, Tische, Stühle und Feldbetten im Klassenzimmer aufzubauen. Gar keine so leichte Aufgabe.
„Katastrophen sind präsenter geworden. Wir führen an das Thema heran und wollen Berührungsängste nehmen“, erklärt Rommel im Gespräch mit der Schwäbischen Zeitung. Das Entscheidende dabei: Den Kindern keine Angst zu machen, sondern vielmehr zu sensibilisieren.
Genau aus diesem Grund zeigt sich Markus Erb zufrieden mit dem Katastrophenschutztag. Die Schüler hätten großes Interesse gezeigt, sagt er. Der reale Ausnahmezustand könne zwar nie im Vorfeld trainiert werden, dennoch sei ein vorsichtiges Heranführen an die Thematik für junge Menschen wichtig. Er ist überzeugt: „Im wirklichen Ernstfall fangen die Schüler nicht bei null an.“